Ein Jahr Pfiffikus an der GKS
18.11.2025

An der Georg-Kerschensteiner-Schule gibt es seit 2024 einen Bildungscampus – die Bilanz ist positiv

von Frederik Böckmann OM-Medien

Max Oevermann erinnert sich noch genau an den Spätsommer 2024. Der Ausbildungsleiter der Firma Elektrotechnik Diekmann saß zusammen mit weiteren Geschäftsleuten sowie Vertretern aus der Holdorfer Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS), der Verwaltung und der Politik im Hotel-Restaurant „Zur Post“. Allen zusammen wurde die Idee Pfiffikus des gleichnamigen Vereins vorgestellt. Oevermann sagt „Ich war zunächst sehr, sehr skeptisch. Ich konnte mir nicht vorstellen, was sich hinter dem Konzept verbirgt.“
Doch die Vorstellung überzeugte Elektrotechnik Diekmann. Das Dammer Unternehmen ist seit dem Start einer der Partner des Konzepts. Der Verein Pfiffikus hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, an Schulen einen speziellen Raum zu schaffen, den Schüler und Firmen als „Treffpunkt“ nutzen können, um etwa an Projekten zur Berufsorientierung zu arbeiten. Einen Bildungscampus. In Holdorf wurde dieser extra geschaffene Raum an der Oberschule am 26. September 2025 eröffnet.

Die Eröffnung liegt nun ein Jahr zurück. Rektor Raimund Haskamp blickt zusammen mit Judith Arlinghaus, GKS-Koordinationslehrerin für Berufsorientierung, und Max Oevermann, Ausbilder bei Elektrotechnik Diekmann, auf den Start zurück.

Welche Erfahrungen zieht die Fachlehrerin?
„Der Raum ist ein absoluter Gewinn für die Schule, besonders für die Schüler“, sagt Judith Arlinghaus. Es sei für Schüler und Unternehmen „eine tolle Möglichkeit“, untereinander in Kontakt zu treten – und das in einer angenehmen Atmosphäre. Denn der Pfiffikus-Raum war zwar früher ein Klassenzimmer, ist als dieser aber nicht mehr zu erkennen. Es gibt diverse Sitzmöglichkeiten, einen Fernseher und einen Lounge-Bereich. Den Schülern, sagt Arlinghaus, werde dadurch vermittelt: „Wir legen hier Wert auf deine Zukunft.“ Firmen und Schüler kämen direkt ins Gespräch, weil Hemmungen leicht abgebaut werden könnten. Die Rückmeldungen der Betriebe seien „durchweg positiv“, weil es intensive Gespräche zwischen Schülern und Firmen gebe. Judith Arlinghaus ist überzeugt, dass Firmen dank Pfiffikus Jugendliche schneller für Probearbeiten und freiwillige Praktika gewinnen können. Im optimalen Fall würden durch den Austausch dann auch Ausbildungsverträge unterschrieben. Die habe es schon in mehreren Fällen gegeben. Was sagt der Ausbilder?
Max Oevermann, der 24 Azubis betreut, zieht ebenfalls eine positive Bilanz. Der Austausch im Pfiffikus-Bildungscamp sei ganz anders als etwa auf einer Schulmesse. Dort sei es sehr wuselig, mitunter auch schwierig für Firmen, auf sich aufmerksam zu machen. Im Pfiffikus-Raum dagegen fehle „komplett der schulische Kontext“ und es sei „lehrer-ungebunden“. Die Jugendlichen hätten deshalb nicht den Eindruck, dass sie sich in der Schule befinden. Dadurch seien „gute Gespräche“ mit „interessierten Schülern“ möglich. „Es fühlt sich an, wie ein Vorstellungsgespräch mit 15 Leuten“, sagt Oevermann. Der Austausch findet dann nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch statt. Oevermann bringt Schaltungen mit, an denen sich die Schüler ausprobieren sollen. Dann merkten einige Jugendliche schnell, dass die Arbeit im Elektrobereich etwas für sie sein könnte – oder auch nicht. Der Ausbilder sagt: „Auch eine Entscheidung gegen etwas ist eine Berufsentscheidung.“
Trotz aller Möglichkeiten, sich auch via Social Media zu bewerben, hält Elektrotechnik Diekmann das persönliche Gespräch für unerlässlich. Wie viele Schüler dank Pfiffikus den Weg zur Dammer Firma gefunden haben könnten, kann Max Oevermann nicht nennen. Das sei aber auch nicht schlimm. An dem „ganzen Blumenstrauß an Maßnahmen“ in der Berufsorientierung sei der Pfiffikus-Bildungscampus für Elektrotechnik Diekmann ein weiterer wichtiger Baustein, sich zu präsentieren. Wie kommen Schüler und Firmen überhaupt in Kontakt?
Die Unternehmen können sich immer donnerstags ein Zeitfenster im Pfiffikus-Raum buchen. Lehrerin Arlinghaus besucht vorher die Klassen 8 bis 10. Sie erzählt, welche Praktika und Ausbildungsberufe die Firmen anbieten und fragt dann ab, welche Schüler das Angebot nutzen möchten. Der Vorteil: „An diesen Gesprächen mit den Unternehmen nehmen dann wirklich nur interessierte Schüler teil.“ Wie viele Firmen nutzen den Raum?
Es gibt aktuell acht Unterstützer. Die Volksbank Dammer Berge, Elektrotechnik Diekmann, Metallbau Böckmann, Ray, PPG-Flexofilm, der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband, die Gemeinde Holdorf und seit Kurzem auch Zerhusen Kartonagen aus Damme. Sie zahlen eine Nutzungsmiete. Insgesamt haben den Raum aber schon bis zu 15 Firmen gebucht, sagt Arlinghaus. Bei Metallbau Böckmann findet der Austausch direkt am Feldkamp im Holdorfer Gewerbegebiet statt. Es sei einfacher, die Metallarbeiten direkt in der Firma vorzuführen. Alleine Metallbau Böckmann habe durch den Austausch mit Pfiffikus schon drei Ausbildungsverträge abschließen können, sagt Judith Arlinghaus. Was passiert mit dem Pfiffikus-Raum, wenn ihn keine Firmen nutzen?
„Es gibt sicherlich Zeiten, wo der Raum leer steht“, sagt Raimund Haskamp. Aber „diese Kröte müssen wir schlucken. Das können wir uns aufgrund der Schülerzahlen aktuell auch leisten“. Neben den Firmen nutzen auch die Berufsberatung der Arbeitsagentur an einem Tag der Woche den Raum. An anderen Tagen finden weitere andere berufsorientierende Maßnahmen und Elterngespräche statt. Judith Arlinghaus betont: „Es werden hier keine Arbeiten nachgeschrieben oder Sonstiges.“ Der Raum sollte nur mit der Berufsberatung in Verbindung gebracht werden. Welche Bilanz zieht der Schulleiter?
„Wir würden alles wieder genau so machen“. sagt Haskamp. Die Zufriedenheit der GKS habe sich herumgesprochen. Zwei, drei weitere Schulen hätten sich den Bildungscampus bereits angesehen. Haskamp dankt Ratsherr Jan-Dierk Brand (CDU), der die Pfiffikus-Idee nach Holdorf brachte, dem Rat für die Bereitstellung der Gelder (30.000 Euro) und der Gemeinde für die zügige Umsetzung.

Foto: Frederik Böckmann OM-Medien

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